Hardy Maaß
Die Entwicklung erdbebensicherer Bautechniken in der Frühen und Mittleren Eisenzeit in Ostanatolien.

Münchener Abhandlungen zum Alten Orient — Band 11
Format: 30 x 21 cm — Hardcover

Umfang: 344 Seiten, mit 287 teils farbigen Abbildungen im Text

Inhalt / Content

ISBN: 978-3-935012-72-0
Preis: 68,00 €
© PeWe-Verlag 2026

Erscheinungstermin: Anfang April 2026
 

Vorliegender Band ist das Ergebnis einer Forschungsarbeit, die sich mit den Wechselwirkungen zwischen der Naturkatastrophe „Erdbeben” und der Architekturentwicklung der früh- und mitteleisenzeitlichen Kulturen Ostanatoliens, insbesondere des Reiches von Urartu/Biainili, beschäftigt.
Neben der Analyse der Bruchgeometrie und des dadurch beeinflussten Verhaltens der großen tektonischen Systeme des Vorderen Orients und Kleinasiens, werden deren historische Seismizität und die damit verbundenen kulturellen und sozialen Folgen erläutert. Anhand von Beispielen aus verschiedenen Kulturräumen und Zeiten wird aufgezeigt, aus welchen Motiven Menschen in geologischen Risikogebieten siedeln und welche redundanten Vorkehrungen für den Erhalt des Systemcharakters vorgenommen werden.
Ein Exkurs in die Ingenieursgeologie erörtert die Frage, inwieweit das Bewusstsein, in einem geotektonisch hochgradig aktiven Raum zu siedeln, Einfluss auf die empirische und technologische Katalyse der Architekturentwicklung hatte. Dabei wird deutlich, dass die Beobachtung von Charakteristika wie Strukturbeschaffenheit oder Farbgebung von Mineralien und Gesteinen sowie das daraus resultierende Verständnis über Gesteinsparameter, durchaus auf die technischen Fertigkeiten innerhalb der Steinbearbeitung bzw. des Steinbaus einwirkte.
Zwei Kapitel zur Technikentwicklung setzen sich mit der strukturellen Natur und den technischen Umsetzungsmöglichkeiten von Fundamenten, Trockenmauern und deren statischen Besonderheiten auseinander. Die Kategorisierung zwischen Terrassen und freistehenden Trockenmauern wird dabei näher bestimmt und die Vorzüge sowie Schwachstellen von regelmäßigen und unregelmäßigen Mauerwerksgefügen erläutert. Es wird deutlich, dass den antiseismischen Lösungskonzepten im Steinbau der Frühen und Mittleren Eisenzeit dabei nur zwei Möglichkeiten – Kraftschluss
und Formschluss – zur Verfügung standen.
Ein Ausblick in geografisch und zeitlich weit von einander entfernte Kulturräume zeigt zudem, dass erdbebensichere Bauweisen identischen physikalischen Bedingungen unterliegen und in ihrer Ausgestaltung oftmals ähnlich umgesetzt wurden.